Schönheit?

 Nicht machtlos 
aber in mancher Gestalt 
nur den Augen der Machtlosen aufblinkend flüchtig nur am entfernteren Rand des ungelebten Lebens
(des lange noch nicht und am Ende nicht mehr gelebten) sie ist dann wenig mehr 
als Maske des Todes 

So leuchtet eine Frau auf oder ein Mädchen 
vor den Augen des Knaben der viel zu jung scheint für Glück 
aber vielleicht nur weil er 
noch nicht wagt wirklich zu leben 


 

Grauer um jede nicht aufgebrochene Stunde 
wird unsere Zeit 
unfreier unsere Welt 
in Wirklichkeit nie mehr unser
wenn wir uns nicht losreißen lernen 
(nicht von allem aber von mehr als die Ratgeber raten)
wenn wir nicht endlich offen zu tun beginnen 
was wir geträumt haben vor dem bleiernen Tag 

Gewiss: 
Die uns warnen vor der Gefahr 
sind erfahren aber oft nur erfahren im Sich-Beugen
Keine Todesgefahr kann so groß sein 
wie die Lebensgefahr 
zu versäumen 
gelähmt vom eigenen Zögern 
die einzige Zeit 
                         (Erich Fried)

 

 

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